Kalla Malla
Sean Stone, Sohnemann von Oliver Stone, legt mit "Graystone" sein Spielfilmdebüt hin. Wo sein Vater hauptsächlich für den medienkritischen Film "Natural Born Killers" bekannt ist, wird der Nachwuchs wohl noch etwas um Akzeptanz kämpfen müssen. Mal abgesehen davon, dass die Fußstapfen des Seniors riesig sind, ist sein Erstlingswerk so reizvoll, wie auf dem Asphalt eingetretenes Kaugummi.
"Graystone" handelt von einer Gruppe Leute, die nachts in eine Psychiatrie eindringen und mit einer Handkamera herumfuchteln. Erinnert doch irgendwie an "Grave Encounters", oder? Oder an "Grave Encounters 2". Oder an "Entity". Oder an "Episode 50". Oder "Paranormal Incident". Ganz zu schweigen von inhaltsgleichen, aber "normal" gedrehten, anderen Horrorfilmen in Anstalten.
Zugegebenermaßen sollte ich aber auch erwähnen, dass ich Horrorfilme in der Klapse wirklich zu schätzen weiß. Vorausgesetzt sie sind wirkungsvoll, wie beispielsweise "Sick House", "Haunted Hill", "Death Tunnel", "Session 9", etc. Und genau daran mangelt es "Graystone":
Er mag zwar eine Grundspannung haben, allerdings verlaufen zu viele Schockszenen im Nichts.
Nahezu in jeder Kameraeinstellung steht im Hintergrund eine Schattenfigur, die weder als Jump-Scare benutzt, noch von den Protagonisten wargenommen wird. Sie steht einfach nur da, damit der halbwegs aufmerksame Zuschauer rafft, dass in der Anstalt Geister herumwandeln. Gut, ich habe etwas gelogen, denn sonderlich aufmerksam muss man dafür auch nicht sein. Eine 10 prozentige Sehstärke und gelegentliches auf dem Bildschirm Schauen reicht völlig aus.
Mit der Story verhält es sich da ganz ähnlich, denn diese ist eher ein reiner Ereignisbericht, denn wirkliche Handlung. Man läuft eben zu dritt durch versiffte Gänge, ist zu blöd auftauchende Schatten auszumachen, aber verfällt dafür schon von Minute 1 an in Panik, ohne auch nur auf die Idee zu kommen, möglichst schnell wieder abzuhauen.
Besagte versiffte Gänge sind dafür wirklich gelungen. Denn der Drehort macht gewaltig etwas her, vorallem, wenn sich unsere Gruppe durch maximal schulterbreite Gänge zwängt und gefühlte fünftausend Türen auf jeder Seite sind. Wäre da jetzt nicht Sean Stones Inszenierung, die jede Möglichkeit verpasst, dem Zuschauer einen gewaltig Schock zu verpassen.
Wie einfach wäre es gewesen, mal nicht auf langweilige Schattengestalten zu setzen, sondern auf eine wirklich heftige, physische Präsenz. Es müsste ja nichteinmal ein klassischer Slasher werden, aber ich hätte es sehr begrüßt, wenn sich die durchaus gegebene Grundanspannung des Zuschauers auch mal gerechtfertigt hätte. Der gegen Ende auftretende Geist in der Gasmaske war da definitiv ein Anfang, allerdings bringen 10 Sekunden wirres Stakkato-Geschnippel nicht den erwünschten Panikanfall.
Und das ist ja dann das nächste: Die Kamera ist im Vergleich zu anderen Found Footage Filmen zwar nicht über die Maßen verwackelt, aber dafür erstaunlich oft gecuttet worden. Hatten die Jungs & Mädels wirklich Zeit, in der Geisteranstalt verschiedene Kameraperspektiven auszuprobieren? Oder ist das die von Sean Stone versuchte Medienkritik? Falls ja, hat sie sein großer Grauer irgendwie besser hinbekommen.
"Graystone" ist ein inhaltlich belangloses Filmchen in guter Kulisse. Es gibt atmosphärische Momente, aber leider keinen erkennbaren roten Faden oder Spannungshöhepunkt. Irgendwie alles ganz nett, aber im Ganzen so notwendig, wie Diät Mayonäse bei McDonalds.