Kalla Malla
Ich muss echt zugeben, im Kopf schon eine Review zu diesem Film geschrieben zu haben, noch bevor ich ihn sah. Ich habe mir schon vorgestellt, wie ich ihn mit dem thematisch ähnlichen "7 Days" vergleiche und schreibe, dass "7 Days" aufgrund seiner Metaphorik die Nase vorn hat. Naja, vielleicht hätte ich mir zuerst "Daddy's Little Girl" anschauen sollen...
Der Film folgt einem sehr bekannten Muster, denn grob gesagt rächt sich ein Vater beim Mörder seiner Tochter für ihr Ableben. Und zwar nicht in actionlastiger "96 Hors" Manier, sondern in der blutigen Kunst vergleichbarer Filme wie der eben erwähnte "7 Days" oder "The Tortured".
Was "Daddy's Little Girl" von seinen beiden Kollegen unterscheidet, ist seine klare Einteilung in die beiden Akte Drama und Folterfilm. Fast bis auf die Minute genau, nimmt das Drama die erste Filmhälfte in Beschlag, ehe binnen weniger Einstellungen gefoltert wird, wie es sich seit "Grotesque" vor einigen Jahren kein anderer Film mehr getraut hat.
Die erste Filmhälfte dient der Zuschauerbindung an die Charaktere und ist extrem wirkungsvoll. Der Vater, Dereck, ist uns nach wenigen Minuten sympathisch und liefert - wie eigentlich auch der ganze Cast - eine durchweg gute Performance ab. Zusätzlich lässt Regisseur Chris Sun wirklich keine Gelegenheit aus, die Charaktere noch mehr leiden zu lassen. Beispielsweise wird ihnen von der Polizei gesagt, man hätte ihre Tochter am Strand gefunden. Beide fahren natürlich völlig erleichtert dorthin, nur um dort den halb vergrabenen Leichnam ihrer Tochter zu finden. Das sind Momente, wo das Drehbuch genau weiß, wie man dem Zuschauer immer und immer wieder eine fiese Ohrfeige verpasst.
Nahezu 50 Minuten bleibt der Film absolut frei von Blut und zeigt eher, wie der Vater langsam wieder ins Leben zurückfindet. Der Filmabschnitt zieht sich nämlich über die Laufzeit von 6 Monaten und man merkt, wie Dereck wieder Freude am Leben findet, seine Firma wieder geregelt bekommt oder sich generell einfach wieder unter Leute traut. Doch dann kommt der Bruch und "Daddy's Little Girl" wirft mit Folterszenen um sich, wie man sie wirklich lange nicht mehr gesehen hat.
Das fängt bei der Kreativität an und hört bei der reinen Qualität auf. Denn Chris Sun hat sich hier wirklich Zeugs einfallen lassen, was man in der Form noch nicht unbedingt gesehen hat. Und dann war er clever genug, nicht auf billige Goreszenen aus der Trickkiste zurückzugreifen, sondern jede einzelne Einstellung absolut realistisch erscheinen zu lassen. Hier sieht man keine schlecht aufgeklebten Latexattrappen, unecht wirkende Gliedmaßen oder dergleichen, sondern absolut realistische Folterkunst, die sogar endlich mal drangedacht hat, dass man beim Abschneiden eines Fingers auch noch durch den Knochen durchsäbeln muss. Vorallem die Szene, in der Dereck mit einem Kniespalter das Knie des Killers massakriert ist unfassbar perfekt in Szene gesetzt und wahnsinnig schmerzhaft anzuschauen. Wie die SPIO den Film hat durchwinken können, werde ich in hundert Jahren nicht verstehen. Nicht dass ich undankbar wäre, aber man wundert sich eben...
Wenn ich jetzt "Daddy's Little Girl" noch mit "7 Days" und "The Tortured" vergleichen müsste, würde ich ihn grundlegend als eine Mischung aus diesen beiden Filmen beschreiben. Die rohe, harte und schmerzvolle Gewalt hat er mit "7 Days" gemein, während sich der Gedanke hinter dem Film eher mit "The Tortured" deckt. Wo "7 Days" ein sperriges Stück Film über den geistigen Verfall eines Vaters ist, dessen lang ersehnte Rache ihm nicht den Seelenfrieden bringt, den er sich erhofft hat, sind "The Torture" und "Daddy's Little Girl" filmisch statuierte Exempel und wirken wie eine "genau so sollte man es mit pädophilen Kindermördern machen"-Phantasie der jeweiligen Regisseure. Nur mit dem Unterschied, dass "The Tortured" ein mittelprächtiges C-Movie ist und "Daddy's Little Girl" im Gegenzug weiß, wie man den Zuschauer erst emotional fordern und ihn dann vom Fernseher wegekeln kann.
"Daddy's Little Girl" ist einer der besten "Horror" Filme des Jahres und punktet vorallem durch gute Schauspieler, einer mitreißenden Story und einem furchtbar schmerzhaften Ende, was man so nicht unbedingt erwartet hätte. Ein paar kleine Logikfehler oder Ungereimtheiten gibt es, aber die sollen nicht weiter ins Gewicht fallen, zumal man sie problemlos ignorieren kann.