Kalla Malla
In einem Frauenlager im Norden von Vietnam werden inhaftierte Frauen aus verschiedenen Gebieten zusammengelegt, um dort einer ganz speziellen Ausbildung unterzogen zu werden. Viele Frauen wurden aber auch einfach nur entführt, um gegen ihren Willen für grausamen Zwecke mißbraucht zu werden. Man will aus ihnen perfekte Tötungsmaschinen machen. Sie werden einer Gehirnwäsche unterzogen, um zu Attentäterinnen umfunktioniert zu werden. Man will mit ihnen praktisch Anschläge in den USA an wichtigen Politikern verüben, mit Sprengstoff am Bauch als lebende Bombe. Eine der Frauen wird als Spitzel vom CIA verdächtigt und man versucht sie durch Folter zu einer Aussage zu bewegen. Während ein amerikanischer Senator dem Camp auf die Spur kommt, freundet sich eine der Frauen mir einem Wärter an, der ihr freundlich gesinnt ist und sich in sie verliebt. Er verhilft ihr zunächst zu Flucht, bezahlt das ganze aber mit seinem Leben. Sie hingegen wird öffentlich gefoltert. Es kommt zum entscheidenden Tag. Die Frauen sollen mit einem Zug verlegt werden, nutzen die Unaufmerksamkeit der angetrunkenen Wärter zu einer Revolte. Es kommt zum Aufstand, der durch die Hilfe der eintreffenden Amerikaner noch unterstützt wird.
Insgesamt gesehen wartet dieser Film mit recht wenig Sex- und Gewalteinlagen auf, jedenfalls nicht im Gezeigten. Trotzdem schafft es Regisseur Cirio H.Santiago, die Härte in den Köpfen der Zuschauer entstehen zu lassen. Die Folterungen der Frauen und die ansatzweise dargestellten Vergewaltigungen leben in den Köpfen der Betrachter weiter. Durch die realistische Geschichte und die perfekt inszenierte Handlung hebt sich dieses Machwerk deutlich von der Vielzahl der anderen Genrefilmen, sprich Lagerfilmen, ab. Man kann sich mit den Frauen im Lager identifizieren und sich in ihre Lage hinein versetzen. Mit viel Fingerspitzengefühl wird man mit zwischenmenschlichen Beziehungen konfrontiert, die einen mitfiebern lassen. Und trotzdem gehört der Film zu der Kategorie »Sexploitation« und bietet den genretypischen Spaß, den man hier erfolgreich sucht.
Als ich die deutsche Fassung das erste mal von USA-Video zu Gesicht bekam, dacht ich deshalb auch, er wäre gekürzt gewesen, denn das drumherum bietet wirklich eine breite Fläche für massenhaft Sex und Gewalt. Das Ergebnis ist so aber dennoch mehr als zufrieden stellend. Der Film bekam in den 80er Jahren für seine Kinoauswertung in seiner unzensierten Fassung eine FSK18 Freigabe verliehen. Unter heutigen Bedingungen, unter denen die deutsche Filmindustrie und seine Fans zu leiden haben, wäre das sicher nicht mehr möglich. Doch Ende 2001 wurde der Film juristisch geprüft und als strafrechtlich unbedenklich befunden. Der Grund liegt auf der Hand. Keine der härteren Szenen wird hier nur zum Selbstzweck gezeigt, sondern dient lediglich der sehr ernsten Handlung.
Das Thema »Anschläge in den USA« ist aktueller denn je und der Film gewinnt dadurch mehr an Glaubwürdigkeit und Ernsthaftigkeit, als man es ihm vorher jemals zugestanden hätte. Deshalb handelte es sich auch um eine makabere Überschneidung, als der Film von »X-Rated« am Montag den 10. September 2001 auf Video veröffentlicht wurde (Zur Erinnerung: die Anfangssequenz des Anschlages des Wolkenkratzers mit dem weiblichen Selbstmord-Attentäter) und ein Tag später, am 11 .September, genau dieses in tausendfacher Verstärkung in der Realität eintraf. Übrigens wird dieser Film wegen dem Titel »Helltrain« oft mit »Lust train pour Hitler« (= »Folterzug der geschändeten Frauen«) verwechselt, der als Exporttitel ebenfalls mit »Helltrain« betitelt wird.
Fazit: Was sich eigentlich nach einer unterhaltsamen Action-Story anhört ist nichts anderes als Sexploitation pur. Trotzdem ist der Film eine ziemliche Mogelpackung, denn vom Titel, über das Covermotiv bis hin zur Inhaltsangabe wird eigentlich nicht das gehalten, was versprochen wird. Gefoltert wird tatsächlich, aber kaum mehr, als in jedem mittelmäßigen RTL-Abend-Krimi. Fans von Frauenlager-Filmen werden inhaltlich kaum das bekommen, was sie erhoffen, können sich die DVD aber als Sammelobjekt in den Schrank stellen, da der Film recht selten ist.