Kalla Malla
Das junge Paar Allen (Greg Thompson) und Julie (Cheri Christian) führt ein ruhiges, familiäres Leben, doch dieses wird von einem grauenhaften Ereignis heimgesucht. Eines Abends finden die Beiden ihre kleine Tochter brutal ermordet in ihrem Bett vor, was sie schwer traumatisiert und dazu zwingt, in ein anderes Haus zu ziehen, um das Geschehene besser verarbeiten zu können. Allen und Julie entschließen sich dazu, sich fürs Erste in eine abgelegene Berghütte zurückzuziehen, wo Allen in der Stille seiner Arbeit als Autor nachgehen, und Julie sich ihrem Hobby, dem Fotografieren, widmen kann. Kurz nach ihrer Ankunft entdeckt die, von dem Tod ihrer Tochter immer noch sehr getroffene, Frau bei einem Spaziergang nicht weit von der Hütte ein altes und verlassenes Gefängnis und entschließt sich kurzerhand dazu, im Inneren einiges Fotos zu machen. Beim Entwickeln der Abzüge stellt Julie mit Schrecken fest, dass ihre Tochter auf den Bildern zu sehen ist. Wie ist das möglich? Hat die grauenhafte Vorgeschichte der Hütte vielleicht etwas mit den Geistererscheinungen zu tun?
Mit Recht dürfen all jene aufstöhnen, die anhand der Story von "Dark Remains" zu der Erkenntnis gelangen, dass es sich hier um eine weitere Abkupferung der asiatischen Genrestreifen handelt. Die Kreativität scheint eben nur äußerst selten Einzug in den Horrorfilm zu halten, und wenn, dann muss eine gute Idee anschließend so oft wiederverwertet werden, bis sie selbst den eingefleischten Fans zum Hals heraushängt. So geschehen beim Teeniehorror, wird es wohl nichtmehr lange dauern, bis sich auch die Ära des fernöstlichen Horrors dem Ende neigt. Bis es aber soweit ist, hat man immer noch etwas Zeit, vielleicht doch über die eine oder andere Perle zu stolpern. Und obwohl es sich bei "Dark Remains" um keine solche handelt, darf man doch sagen, dass Brian Avenet-Bradley hiermit einen soliden, wenn auch nicht sehr einfallsreichen Beitrag zum Genre geleistet hat. Bradley ist im Übrigen kein untätiger, wenn auch nicht sehr bekannter Regisseur, der schon die Low-Budget Streifen "Dead Still" und "Cold Blood" abgeliefert hat, dem der Durchbruch bislang allerdings verwehrt blieb, auch wenn er mit "Dark Remains" durchaus positive Resonanz einfahren konnte.
So wurde der Film unter anderem beim Shriekfest Horror Film Festival gezeigt und konnte dort auch den Preis für den besten Film absahnen, die selbe Auszeichnung erhielt er auch beim Rhode Island International Horror Film Festival. Zu Ehren kam der Streifen auch noch bei einigen weiteren Festivals, was aber nicht unbedingt für die herausragende Qualität von "Dark Remains" sprechen muss, es ist eher davon auszugehen, dass die Konkurrenz nicht all zu viel zu bieten hatte. Wenn man nämlich objektiv an den Film herangeht, erwartet einen zwar ein annehmbarer, aber keinesfalls herausragender Beitrag fürs Horrorgenre, der in erster Linie durch seine Einfallslosigkeit auf sich aufmerksam macht. Es ist doch immer wieder das gleiche: Jemand verliert einen geliebten Menschen, zieht sich in die Isolation zurück und wird daraufhin von Geisterwesen heimgesucht. Sonderlich stolz darf Brian Avenet-Bradley also nicht auf sein Drehbuch sein, vielmehr ist es die Inszenierung, die doch noch einiges herumreisst.
Die Ausgangshandlung entbehrt dabei nicht einer gewissen Dramatik, denn man kann den Schmerz der Eltern über den Verlust ihres Kindes gut nachvollziehen, zumal das kleine Mädchen beinahe schon bestialisch getötet wurde. Damit hat Bradley sogleich einen passablen Einstieg in das Geschehen gefunden, der ohne großartige Charaktervorstellungen und sonstige Vorgeschichten gleich in die eigentliche Handlung übergeht. Hier haben wir die erste Stärke des Werkes, es geht alles recht flott von dannen, man hält sich nicht mit zu vielen langweiligen Passagen auf, die Story wird straff gehalten und konsequent erzählt, ohne viel unnötige Nebenhandlungen einzufädeln. Ein weiterer, sehr wichtiger Punkt, durch den "Dark Remains" punkten kann, ist seine Atmosphäre, die, ich gestehe, ich hätte es nicht erwartet, durchaus schaurige Momente zulässt. Die immer wieder auftauchenden Geistererscheinungen, beispielsweise im Fernseher oder im Badezimmerspiegel sind gewiss nichts neues, kommen hier aber schauriger als in so manch anderem Genrefilm rüber und sorgen immer wieder mal für gut platzierte Gänsehautmomente.
Zu gefallen wissen ebenso die Kulissen, vorneweg insbesondere das alte Gefängnis, das bei Nacht einen sehr beklemmenden und unheimlichen Eindruck entstehen lässt und ebenso für Atmosphäre sorgt. "Dark Remains" lebt von seiner Stimmung, denn wo die Story nicht viel bieten kann, werden Gruselfans durch die stimmige Inszenierung ihren Gefallen an dem Streifen finden. Dass man nie das Interesse an dem Geschehen verliert, liegt auch daran, dass Brian Avenet-Bradley die Handlung sehr undurchsichtig anlegt, so dass man schon am Ball bleiben muss, um hinter das große Geheimnis zu kommen. Dabei werden auch immer neue Anhaltspunkte eingestreut, so zum Beispiel, dass die vorigen Bewohner der Hütte irgendwann wahnsinnig wurden und sich selbst das Leben nahmen.
Ganz klar, Kamera, Sound und Atmosphäre passen, allerdings fehlt das gewisse Etwas, um den Eindruck eines überdurchschnittlichen Horrorfilms zu erhalten. "Dark Remains" ist überaus belanglos und kann einem im Grunde genommen nichts bieten, was man nicht schon aus anderen Streifen kennen würde. Der investierten Zeit wird man wohl nicht hinterhertrauen, allerdings hat man im Anschluss keineswegs das Gefühl, etwas Überragendes gesehen zu haben. Dafür sorgt auch das lasche Ende, dass weit weniger unheilvoll daherkommt, als man zuerst vermuten würde. Ebenso hätte Bradley mit einer besseren Story noch viel mehr anstellen können, denn dass er in der Lage ist, für schaurige Momente zu sorgen, dass hat er hier schon einmal bewiesen.
Die Schauspieler letzten Endes machen ihre Sache nicht schlecht, bleiben einem aber nicht lang in Erinnerung. Greg Thompson spielt seinen Part noch am Besten, während Cheri Christian einen eher austauschbaren Eindruck macht. Beide waren bislang schon in einigen Produktionen zu sehen, haben den Sprung auf die große Leinwand aber noch nicht geschafft.
Fazit: Nein, ein Must See hat Brian Avenet-Bradley mit seinem "The Grudge" Abklatsch wirklich nicht geschaffen, doch zumindest darf er sein Geschick für Spannung und Atmosphäre unter Beweis stellen, denn auf dieser Ebene hat "Dark Remains" weitaus mehr zu bieten als der typische Low-Budget Horrorfilm. Leider sorgt im Gegenzug die einfallslose Story dafür, dass der Streifen nicht über guten Durchschnitt hinauskommt, denn der Genrefan wird hier nichts zu sehen bekommen, was er nicht schon kennt. Für gut 90 gruselige Minuten ist "Dark Remains" jedoch in jedem Fall zu gebrauchen.