Kalla Malla
Als Chef eines Unternehmens oder einer Abteilung ist man grundsätzlich der Arsch. Doch Franklin Hart, Jr. (Dabney Coleman) bemüht sich redlich, seinem Ruf als »sexistischer, egoistischer, lügender, scheinheiliger Widerling« mehr als gerecht zu werden. Kurz: Er könnte glatt Strombergs Vater sein. Jahrelang erträgt Violet Newstead (Lily Tomlin) ihren Boss nun schon. Trotz ihrer Qualifikationen übergeht er sie bei Beförderungen und degradiert sie zum Kaffeekochen. Kein Wunder, dass sie innerlich brodelt. Ganz im Gegensatz zur gutmütigen Sekretärin Doralee Rhodes (Dolly Parton). Doch ihre Laune schlägt schlagartig um, als Hart beim Diktat zudringlich wird und sie erfährt, dass die Abteilung sie sowieso für sein Flittchen hält. Doralee ist stinkwütend. Die tollpatschig schüchterne Judy Bernly (Jane Fonda) hätte sich keinen schlechteren ersten Arbeitstag aussuchen können. Während sie noch mit dem monströsen Kopierer kämpft, wird sie von Hart schon als völlig unfähig abgestempelt. Das wollen sich die drei Damen Judy, Violet und Doralee nicht mehr bieten lassen. Nachdem ein »Unfall« mit Rattengift im Kaffee ihres ekelhaften, widerlichen, kaffetrinkenden, unfähigen, sexbesessenen und diktatorischen Mini-Despoten Mr. Hart (Dabney Coleman) fast zu dessen Ableben und Kündigung der Frauen führte, wird der Boss kurzerhand geknebelt und gefesselt in seinem schicken Anwesen zwischengelagert, während die Frauen den Konzern übernehmen. Und der läuft unter weiblicher Führung sehr viel besser...
Die amerikanische Filmkomödie mit dem wahnsinnig originellen (Ironie-Modus aus) deutschen Titel »Warum eigentlich... bringen wir den Chef nicht um?«, der im Original schlicht und passend »9 to 5« heißt, war ein absoluter Mega-Hit, der vor allem Country- und Westernsängerin Dolly Parton mitsamt ihres Titelsongs den großen Hollywood-Durchbruch bescherte. Der Film traf mit seinen feministischen Ansätzen einen Nerv der Zeit und sprach besonders Frauen aus der Seele. Er ist heute noch überaus beliebt und ein moderner Klassiker des Genres, obwohl er objektiv gar nicht unbedingt sehr gut ist.
Der Erfolg hängt natürlich stark mit der Besetzung zusammen, und die ist in der Tat genial: Lily Tomlin als vierfache Mutter mit Job, die das Büro allein führen könnte, aber von ihrem Chef ständig übergangen wird. Jane Fonda spielt ein neu eingestelltes Schusselchen mit ausgeprägtem Gerechtigkeitssinn und Dolly Parton das grundsolide Mäuschen, von dem jeder denkt, daß es mit dem Chef in der Kiste landet (wogegen der nichts hätte). Allesamt gebeutelt von einem patriarchalischen, unfairen, sexistischen und miesepetrigen Chef, hervorragend gespielt von Dabney Coleman.
Jane Fonda produzierte selbst und gab sich mit der untergeordeneten Rolle im Trio zufrieden, wobei sie eine Menge Spaß hat, sich als Mauerblümchen mit dicker Brille und unter absurden Hüten zu verstecken. Wenn man bedenkt, dass Fonda eine der Power-Frauen der 70er und Gallionsfigur der Emanzipation war, ist es schon sehr spaßig, sie in dieser Doris Day-Rolle zu sehen. Apropos Doris Day, ihr Kabinettstück im Film - ein Kampf gegen einen durchgedrehten Büro-Kopierer - ist original aus dem Day-Klassiker »Ein Hauch von Nerz« (1962) entliehen. Dafür darf Jane Fonda aber in einer Traumsequenz ein Großwildjägerinnen-Outfit anziehen und sieht darin spektakulär gut aus. Barbarella ist back.
Für die Komikerin Lily Tomlin war »9 to 5« erst der dritte Film, aber sie hält die Komödie zusammen, bekommt die witzigsten Gags und darf Leichen aus dem Krankenhaus entführen, Rattengift in Kaffee schütten und in der erwähnten Traumsequenz als bizarres Schneewittchen (komplett mit animierten Tierchen) den miesen Boss (schön schmierig gespielt von Dabney Coleman) per Chefsessel aus dem Fenster katapultieren. Tomlin besitzt genau den trockenen Humor, den der Film braucht, um nicht gänzlich in Albernheiten abzugleiten, und ihre Violet ist eine glaubwürdige, realistische Frauenfigur. Zu Dolly Parton muss man sagen, dass sie für ihre erste Filmrolle eine unglaubliche Leistung zeigt. Sie ist witzig, warmherzig, schräg und trotz absurdester Kostüme, die alle ihre Oberweite ausstellen, von der ersten Sekunde an liebenswert. Sie ist der heimliche Star des Films.
Was die Sozialkritik der Geschichte angeht, bleibt diese stets im Rahmen der Komödie harmlos, aber durchaus erkennbar. Viele Fonda-Fans zeigten sich enttäuscht, dass die Schauspielerin nach vielen anspruchsvollen Rollen in ambitionierten Filmen ihr gesellschaftskritisches Anliegen in so mainstreamige Unterhaltung verpackte, gleichzeitig konnte sie aber mit »9 to 5« das Image der 'Problemfrau' ablegen und ein großes Publikum für sich begeistern, das sich vorher kaum in einen Fonda-Film gewagt hätte (man darf auch nicht vergessen, dass Fonda in den 70ern mit ihren Protesten gegen den Vietnamkrieg stark angefeindet wurde).
Die Rebellion der Frauen im Film beschränkt sich zwar darauf, Teilzeitarbeit in der Firma einzuführen, die Büroräume hübscher zu gestalten und eine Kindertagesstätte einzurichten, doch ist die Aussage, dass Menschen besser arbeiten, wenn sie gerne zur Arbeit gehen, ebenso richtig wie (erschreckend) aktuell. Dass die Damen aus der prekären Situation am Ende nur herausfinden, indem Sterling Hayden als Deus ex Machina auftaucht, um sämtliche aufgelaufenen Probleme auf einen Schlag zu lösen, das ist dann wieder ganz Hollywood.
»9 to 5« ist bei weitem kein Meisterwerk, aber er ist außerordentlich sympathisch und macht vom Vorspann an direkt gute Laune, wenn Dolly Partons Titelsong erklingt, der sich bis heute gut gehalten hat und direkt in Beine und Herz trifft. Das Erfolgsrezept des Films wurde mehrfach kopiert und findet sich in Werken von »Die Waffen der Frauen« (1986) bis zum »Club der Teufelinnen« (1996) wieder. Auch wenn nicht alle Gags zünden, stimmt hier einfach die Chemie zwischen den Schauspielerinnen.
Warum »9 to 5« hierzulande eher wenig bekannt ist, bleibt unklar, bis heute wartet man vergeblich auf eine DVD-Veröffentlichung. In den USA gibt es dafür gleich mehrere Versionen, unter anderem eine wunderbare Special Edition (Die »Sexist, Egotistical, Lying Hypocritical Bigot«-Edition) mit massig Outtakes, Deleted Scenes, Dokus und einem Audiokommentar der Stars. Es lebe der feine Unterschied.
Fazit: Doris Day meets »Thelma & Louise« - wenn das hochtoupierte Frauentrio zum Angriff auf ihren Boss bläst, werden schönste Rache-Phantasien war. Für frustrierte Büroangestellte sehr zu empfehlen.