Kalla Malla
"T.T. Sindrom" ist ein sehr unbekannter, serbischer Slasher, von dem ich noch nie irgendwas gehört habe. Aber zum Glück habe ich an der Stelle mal einen Blindkauf gewagt, denn der Film wird für den ein oder anderen auf alle Fälle interessant sein!
In dem Film geht es um einen Drogendeal in einem siffigen, türkischen Badehaus, bei welchem nach und nach die Leute zu verschwinden scheinen. Als Ursache dafür lässt sich recht schnell ein gesichtsloser Killer finden, der in einer Toilette die Körper seiner Opfer zerstückelt und das Klo herunterspült. Wer wissen möchte warum er dies tut, sollte sich die DVD organisieren ... oder wahlweise meine Spoilerwarnung an späterer Stelle ignorieren - da steht es dann auch.
Was den Film sofort auszeichnet, ist seine wirklich gelungene Machart. Zwar strahlt das Bild eine gewaltige Video Optik aus und auch das fehlende Budget mag an einigen Stellen auffallen, jedoch weiß "T.T. Sindrom" das durch seine herausragend atmosphärischen Sets, sowie die wirklich gut geführte Kamera schnell wieder auszugleichen. Vorallem das Badehaus, was viel mehr an die unterirdischen Gebäudekomplexe aus Filmen wie "Stag Night", "Creep", "Phobos" oder "After..." erinnert, weiß von Anfang an zu überzeugen. Vorallem deswegen, weil der Film zu keiner Sekunde diesen dreckigen Ort verlässt (von wenigen Flashbacks mal abgesehen) und die ganze Laufzeit über mit dreckigen Farben nur so um sich wirft. Dass das eine ganz bestimme Stimmung beim Zuschauer auslöst dürfte klar sein.
Als ähnlich stimmig stellen sich die gut gemachten handmade Effekte heraus, denn hier gibt es wirklich diverse harte Szenen zu sehen. Vorallem die Zerstückelungen der Opfer werden hier wirklich ausgereizt und haben mich persönlich doch sehr an den zu Unrecht in Vergessenheit geratenen Sicko "Long Pigs" erinnert. Zwar wird dem geschulten Auge schon auffallen, dass praktisch alle Goreszenen in Close-Ups gefilmt wurden und man nie eine Aufnahme des kompletten Opfers präsentiert bekommt, aber das soll nicht weiter ins Gewicht fallen. Erst recht nicht, weil die Effekte von der reinen Machart her zu überzeugen wissen.
An was es dem Film jedoch grundlegend mangelt, ist ausreichende Spannung. Wenn man mal von der dauerhaft (!) vorhandenen Atmosphäre des Settings absieht, bietet "T.T. Sindrom" nur wenige Szenen, die wirklich Spannung oder Beklemmung hervorrufen. Das mag natürlich auch daran liegen, dass die weltweit einzige DVD weder eine Synchronfassung noch Untertitel bietet und somit eine Charakterzeichnung für alle, die kein Serbisch können, leider verwehrt bleibt. Vorallem zum Ende hin, wo ich den Eindruck hatte, dass der Film viele Erklärungen liefert, scheitert man als Nicht-Sprachkundiger zu 100% an der Sprachhürde vorallem auch deswegen, weil der Streifen passagenweise schon mit sehr viel Dialog aufwartet.
Was ich aber verstanden habe, war das Ende. Und das ist dann wirklich eine Kategorie für sich selbst, denn der Grund, weswegen der Killer zerstückelte Leute das Klo hinunterspült ist der [SPOILER!], dass er dadurch ein in der Kanalisation wohnendes Geisterbaby füttert, welches von seiner Mutter, die es lebend in dieser Barracke geboren hat und ohne weitere Hilfe auf die Welt brachte, die Toilette hinunter gespült wurde. Wow, selten so gelacht. Aber ich muss dann gleichermaßen auch sagen, dass der Film wirklich nicht trashig daherkommt, sondern wirklich bei seinem angenehm ernsten Ton bleibt und sich letztendlich auch weiterhin auf die immernoch funktionierende Atmosphäre stützt.
"T.T. Sindrom" ist ein verschütt gegangener Slasher, der seit 11 Jahren out of print ist, nur in Serbien erhältlich war und wohl auch in nächster Zeit wohl keine größere Aufmerksamkeit bekommen wird. Er punktet durch eine extrem gute Stimmung, tollen Sets und diversen sehr harten Szenen und wird all jenen gefallen, die sich an semi-professionellen Werken wie "Someone Down There Likes Me" (ein weiterer empfehlenswerter Film aus dem östlichen Teil Europas) auch erfreuen konnten. Die Sprachbarriere, sowie die praktisch nie vorhandene Spannungskurve sind nicht zu leugnen, aber als Horrorfan hat man sich schon durch wesentlich Schlechteres gequält und empfehlenswert ist "T.T. Sindrom" allemal!