Michael
„True Story“ fängt richtig spannend an. Wenn Finkel irgendwo im Afrika ein Interview führt und später seine Geschichte darüber veröffentlicht und man nach einem Schnitt Longo im Mexiko sieht, der sich als Finkel ausgibt, ist das Interesse geweckt.
Danach baut der Film allerdings ab. Regisseur Rupert Goold schafft es in seinem Langfilmdebüt nicht die anfänglich aufgebaute Spannung zu halten. Nachdem, wie erwähnt, die beiden Hauptfiguren interessant eingeführt wurden, drosselt Goold etwas zu schnell das Erzähltempo. Zwar vergisst er es dabei nicht die Charaktereigenschaften von Finkel und Longo weiter zu zeichnen und die Figuren an sich über die Laufzeit interessant zu halten, doch verpasst er die Chance die Geschichte an sich packend weiter zu erzählen. Bis entscheidende Dinge passieren vergeht einfach zu viel Zeit.
Dabei ist allerdings nicht alles langweilig was Goold zeigt. Es ist durchaus interessant zu sehen wie Finkels Hoffnungen in eine journalistischen Neustarts im Laufe seiner Gespräche mit Longo wächst. Auch ist es interessant zu sehen wie Longo Finkel versucht zu manipulieren und seine Art auch den Kinozuschauer sich immer fragen lässt, was Longo vor hat und was an seinen Worten die Wahrheit ist.
Was man „True Story“ zu Gute halten muss, ist die gute Leistung der beiden Hauptdarsteller Jonah Hill kennen viele wohl eher aus Komödien wie „Superbad“ oder „21 Jump Street“, doch nach seiner ernsteren Rolle in „The Wolf of Wall Street“ kann er nun erneut beweisen, dass er mehr kann als nur rumkaspern. Auch James Franco (127 Hours, Spring Breakers) zeigt in „True Story“, dass er zu den wirklich guten Schauspielern gehört. Er spielt den vermeintlichen Mörder wirklich sehr vielschichtig und sorgt so dafür, dass man selbst als Zuschauer nie weiß woran man bei ihm eigentlich ist.
Ist „True Story“ somit ein Film den man sich ansehen sollte? Hier bin ich mir ehrlich gesagt unsicher. Die Geschichte an sich ist durchaus spannend, die Umsetzung dagegen nur bedingt gelungen. Enttäuscht bin ich jedenfalls nicht aus dem Kino gegangen, sondern mit dem Gefühl einen durchschnittlichen Film gesehen zu haben. Vielleicht hätte Goold sich noch mehr auf die Gerichtsverhandlung von Longo konzentrieren sollen und einen tieferen Blick darauf werfen sollen, was die Geschichte für Finkel bedeutet. Eines hat der Film allerdings auf jeden Fall geschafft, die literarische Vorlage zum Film ist in meinen Fokus gerückt und vielleicht werde ich mir diese demnächst einmal vornehmen. Eventuell bietet diese ja etwas mehr an spannenden Informationen als dieses Langfilmdebüt. [Sneakfilm.de]