Kalla Malla
Es ist wirklich schade, dass die einige Labels einen derart schlechten Ruf haben, dass dem Filmfan durch den Labelboykott eine solche Horrorperle wie "Yellow Brick Road" entgeht. Herausgebracht von den Cut-Spezialisten "Great Movies", gammelt dieser, vom Cover an einen einfachen Backwoodslasher erinnernden Film, in sämtlichen Elektronikmärkten herum und bekommt zu keiner Sekunde die Aufmerksamkeit, die er verdient gehabt hätte. Es ist einer der Filme, die den Zuschauer konsequent verstören und unter einer meterdicken Atmosphäre begraben. Doch wenn man sich die Reviews zu diesem Geheimtipp so durchliest, scheinen die meisten wohl konsequent überfordert zu sein, was wahrscheinlich daran liegt, dass "Yellow Brick Road" nichts auf moderne Genrekonventionen gibt, das Hirn des Zuschauers fordert und ein Filmerlebnis, weit abseits von Jump Scares und Stakkatoschnitten, abliefert:
Ein Morgen in New England, 1940. Die gesamte Einwohnerschaft von Friar, New Hampshire, verlässt gemeinsam den Ort, um über einen gewundenen Bergweg in der Wildnis zu verschwinden. Die 572 Bürger lassen ihr gesamtes Hab und Gut hinter sich zurück. Sogar die Hunde, angebunden an Pfosten und dem Hungertod preisgegeben. Ein Suchtrupp der US Armee findet später die Überreste von etwa 300 der Einwohner. Die meisten erfroren, andere grausam abgeschlachtet. Danach wurde offiziell der Mantel des Schweigens über den Vorfall gehängt. Im Jahre 2008 wurden die Koordinaten der Yellow Brick Road wieder bekanntgegeben. Eine Gruppe junger Abenteurer will dem Phänomen auf den Grund gehen und kehrt auch nicht zurück...
Schon die kurze Texttafel am Anfang hat ausgereicht, um mir nachts um halb drei im dunklen Zimmer einen gewaltigen Schauer über den Rücken zu jagen. Und erfreulicherweise schreitet der Film inhaltlich auch recht schnell zur Tat und lässt unsere durchaus sympathische Expeditionsgruppe losziehen. Schon nach wenigen Minuten fühlt sich der Zuschauer, bedingt durch die kühle und dokumentarisch wirkende Kamera, in einer wirklich merkwürdigen Stimmung eingelullt, und das, obwohl lange Zeit erstmal garnichts passiert.
Man fühlt sich an Filme wie "Session 9", "Mothman Prophecies" oder "Dead End" erinnert. Filme, die nicht mit thrillerhafter Spannung glänzen, sondern den Zuschauer konstant in eine Atmosphäre einhüllen und ihm das Gefühl geben, Teil des Geschehens zu sein.
Langsam aber sich kommen schließlich die ersten Merkwürdigkeiten zum Vorschein: Das GPS Gerät findet seinen Standort nicht, es gemessene Wegstrecke passt nicht in den Zeitrahmen und urplötzlich taucht mitten im Nichts eine altertümliche Musik auf. Und "Yellow Brick Road" geht seinen Weg so konsequent, dass er über große Filmabschnitte hinweg, die Musik im Hintergrund laufen lässt. Der Film bietet eine überragende, teils enervierende Soudnkulisse, die nicht nur an den Nerven der Charaktere sägen wird.
Man merkt einfach, dass der Film ein Streifen ist, dem jederzeit alles zuzutrauen ist. Jeden Augenblick kann etwas Unerwartetes passieren ... und das tut es auch. Die erste Gewaltszene schwappt so dermaßen spontan über den Bildschirm, dass man zunächst völlig überfordert ist. Sie kommt absolut brachial daher und wirkt durch das beiläufige Filmen so unfassbar verstörend. Etwas, was heutzutage nicht mehr viele Filme schaffen.
Hätte man den Film am Ende um 10 Minuten erleichtert, würde ich hier überzeugt die Höchstnote zücken. Doch auch so ist "Yellow Brick Road" für mich eine wirklich Erfahrung gewesen, denn von der Sorte Filme gibt es leider nicht viele. Der Film ist mysteriös, grotesk, brutal, atmosphärisch unbeschreiblich dicht und vorallem über die Maßen verstörend. Er verursacht Gänsehaut, jagt dem Zuschauer einen Schauer nach dem anderen über den Rücken und ist für mich das verfilmte Grauen. Ein Geheimtipp für all diejenigen, die vom momentan Horror-Einheitsbrei gelangweilt sind.