Kalla Malla
Marcel Walz ist für Viele der Regie-Terrorist der deutschen Indieszene. Bei mir finden seine Filme hingegen recht häufig ihren Weg in meinen Player und obwohl mich nur die wenigsten wirklich überzeugt haben, kann man dem Guten ein gewisses Talent nicht absprechen.
Seine in meinen Augen beste Regiearbeit war „La Petite Mort“, welche ihm zu ihrem Erscheinen auch die erste, größere Aufmerksamkeit einbrachte. Der Film hatte zwar seine Schwächen, aber war unterm Strich ein harter, dreckiger und zeigefreudiger Torture-Porn, wie man ihn aus deutschen Landen so bisher noch nicht gesehen hat.
Somit war ich sehr gespannt auf die lange angekündigte Fortsetzung, bei welcher er die Effektarbeit nicht mehr Olaf Ittenbach übergab, sondern dem Kanadier Ryan Nicholson, welcher den Meisten als Regisseur von „Gutterballs“, „Hanger“ oder „Live Feed“ bekannt sein dürfte und ganz nebenbei einer meiner Lieblingsregisseure ist. Somit konnte nicht viel schief gehen, um aus „La Petite Mort 2“ die selbe Wirkung herauszukitzeln, wie beim Erstling. Naja, scheinbar doch…
Der Film selbst folgt per se keiner klassischen Inszenierung, sondern ist im Stil eines Werbevideos für den Folterkeller „La Petite Mort“ gedacht. Prinzipiell ist das definitiv keine schlechte Idee und könnte bei konsequenter Umsetzung auch passen, doch viel zu oft verliert Walz den Fokus und man hat fast den Eindruck, als ob er während der Dreharbeiten die Ausgangssituation vergessen hätte. Es geht damit los, dass das Werbevideo, welches ein Etablissement repräsentieren sollte, haufenweise Streitereien der Mitarbeiter enthält. Welche Firma packt interne Streitereien und Drohungen in ein Promotionvideo? Und welche Firma zeigt, dass der Chef ein durchgedrehter Psychopath ist, der sich den eigenen Löres abschneidet, weil er eine Frau sein möchte?
Es ist natürlich klar, wieso solche Szenen in „La Petite Mort 2“ zu finden sind. Denn ein 85 minütiger Film, kann eben nicht nur ein Werbevideo sein. Der Zuschauer braucht für gewöhnlich eine klare Handlung und nicht bloß Promo-Geschwätz. Doch dann hätte man die Idee eben fallen lassen müssen, wenn man merkt, dass sie nicht umsetzbar ist. Hier hat man sich dagegen entschieden und bietet dem Zuschauer eine Mischung aus beiden; weswegen der ganze Film an sich ein einziges Logikloch ist.
Wer allerdings bloß wegen den Folterungen eingeschaltet hat, wird zumindest grundlegend bedient. Alle paar Minuten flackert eine Bildeinblendung auf, in welcher die Namen und das Alter der Opfer stehen und es darf nach Lust und Laune gefoltert werden. Leider wurde wieder viel mit Bildeffekten kaschiert (war beim ersten Teil genauso) und auch Nicholsons Effekte waren in anderen Filmen schon besser. Wenn plötzlich Unterarm große Pullermänner zerschnitten werden, versinkt entweder der Zuschauer im puren Freudschen Penisneid, oder er schüttelt lachend den Kopf. Auch die Szene mit dem Lötkoblen, bei welcher man eindeutig sieht, dass eine ganze Latexhand zerschmilzt, regt eher zu Gelächter als zur Schockstarre ein.
Das wäre für mich alles verzeihbar, wenn der Film in seinen Foltereinlagen wenigstens Stimmung aufbauen könnte. Wo Teil 1 noch dreckig und rau rüberkam und ein gutes „Snuff-Feeling“ verströmen konnte, ist der zweite Teil ein hochpoliertes Filmchen, in welchem plötzliche Bildstörungen, die ausgerechnet in der entscheidenden Gewaltspitze auftritt. Also ein Folterfilm, welcher zum Großteil ohne Wirkung bleibt.
Der nächste Kritikpunkt lässt sich in der Darstellerriege finden. Eines vorweg: Mika Metz liefert als französischer Transsexueller eine überragende Performance ab. Aber das war’s. Umso stärker fallen die Schwächen der anderen Darsteller auf, die Walz schon seit seinen ersten Regieversuchen mit sich zieht. Das ist loyal, keine Frage, wenn der langsam erfolgreich werdende Regisseur seine Crew aus frühen Tagen versucht mit hochzubringen, doch leider lässt das den Film billiger und letzten Endes amateurhafter wirken, als er eigentlich ist. Die Dialoge poltern teils hölzern durch die Gegend und man merkt an so vielen Stellen, besonders wenn Mika Metz irgendwo in der Nähe ist, dass die Schauspieler nichteinmal einem Folterfilm gewachsen sind.
Dann haben wir ja noch Dauernackedei Micaela Schäfer dabei, welche nach dem ebenfalls desaströsen „Seed 2“ hier erneut in einem Walz-Film zu sehen ist. Allen Skeptischen zum Trotz, ist Micaela definitiv nicht das Problem des Filmes und weiß zumindest, wie sie sich vor der Kamera in Szene zu setzen hat. Doch letztendlich ist das Einbinden C-Prominenter ein weiteres, wiederkehrendes Motiv in den Marcel Walz Filmen. Schließlich war ja auch schon Gina Lisa in „Plastic“ zu sehen, welche man dort eigentlich auch nicht gebraucht hätte. Es ist nachvollziehbar, dass Walz dadurch versucht die Aufmerksam der Mainstreammedien zu bekommen; schließlich wurde selbst in der Bild kräftig über „Seed 2“ berichtet, genauso wie RTL bei der Premiere von „La Petite Mort 2“ anwesend war. Leider gilt die Aufmerksamkeit trotzdem nicht seinen Filmen, sondern ganz allein der C-Prominenz, die kein Horrorfan in einem Folterfilm sehen möchte. Und man braucht auch nicht denken, dass irgendwelche „RTL Exklusiv“ Zuschauer urplötzlich „La Petite Mort 2“ aus Österreich importieren, bloß weil Micaela Schäfer zu sehen ist.
„La Petite Mort 2“ ist für Fans des ersten Teils eine Enttäuschung. Alles, was ich am Vorgänger zu schätzen wusste, wurde über Bord geworfen: Die ehemals dreckigen Sets wirken glatt poliert und seelenlos (trotz gleichen Drehortes im Mannheimer „Jails“ Sado-Maso Club), die Folterszenen, obwohl diese reichlich vorhanden sind, sind frei von jeglicher Wirkung und die teils laienhafter Darsteller (außer Mika Metz - ich kann es nicht oft genug erwähnen), erinnern schmerzlich daran, mit was für Filmen Walz einst angefangen hat. Nur leider nicht im positiven Sinne. Als Klugscheißer ohne Filmerfahrung vor dem heimischen PC, kann ich bloß Folgendes sagen: Würde Walz mehr an seinen Drehbüchern arbeiten, sich andere Schauspieler anlachen und die billige Effekthascherei in Form von C-Prominenz sein lassen, wäre er ein wirklich guter Regisseur. Das Potential ist da, denn er weiß, wie man mit geringen Mitteln eine gute Optik erzielt und Atmosphäre erzeugen kann. Hier, hat es leider nur bedingt funktioniert.