Kalla Malla
Wie schädlich ein Hype für einen Film sein kann, kann man perfekt am Beispiel von "Meat Grinder" ablesen: Im asiatischen Raum schon stark in den Gewaltszenen gekürzt, kam der CAT III Film unter großen Tönen seitens der Fachpresse auch zu uns. Während man in England vom "brutalsten Film aller Zeiten" sprach, der jemals uncut durch die BBFC kam, hat Deutschland natürlich wieder die Schere ansetzen lassen. Die nicht ganz fehlenden 4 Minuten bei einer Gesamtlauflänge von über 100 Minuten machen das Ansehen der FSK 18 Fassung für den Wissenden natürlich ungenießbar, wirkten aber im Vergleich zu dem, was man "Grotesque" angedroht hat, doch recht harmlos.
Und man muss auch ganz klar sagen, dass "Meat Grinder" kein dumpfer Splatter-Sicko ist. Selbstredend sind die (doch sehr verteilten) Goreszenen allerdings in der Tat ultra hart. Das hier sind keine billigen Splatterszenen, sondern in Hochglanzoptik gefilmte State of the Art Effekte, wie sie KNB nicht besser hinbekommen hätte. Ähnliches gilt für den Film ansich: Dieser ist ein hartes Drama und kein Horrorfilm. "Meat Grinder" arbeitet viel mit epischer Musik, Slow-Mo-Aufnahmen, schwarz weiß Rückblenden und einer relativ verworrenen Erzählstruktur.
Das hebt den Film qualitativ auf den ersten Blick natürlich von vielen anderen Filmen ab und wird von einigen Filmfans auch wirklich positiv bewertet. Doch bei zwei Leuten gibt es mindestens zwei verschiedenen Ansichten, weswegen viele andere den Film eher als künstlich aufgeblasenes Werk ansehen. Das kann ich durchaus unterstreichen.
Der Film ist in seinen 103 Minuten voll von kreativen Mitteln, reißt gesellschaftskritische Töne wie blutig niedergeschlagene Studentenrevolutionen, Armut und traumatische Kindheitserlebnisse an, aber wirkt vielmehr wie ein Flickenteppich als ein zusammenhängendes Werk. Natürlich ist alles technisch wirklich herausragend gefilmt und hätte - lässt man seinen Exotenstatus in Bezug auf Gewalt und Urpsrungsland mal außen vor - problemlos in deutschen Kinos laufen können. Aber ich komme nicht umhin zu glauben, dass die Macher in der Produktion saßen und sich völlig krampfhaft Dinge überlegt haben, die dem Film einen höheren Kunstcharakter geben sollten.
Natürlich funktioniert das an vielen Stellen, denn alleine die Filmmusik ist wirklich umwerfend und die wirr eingeworfenen, sehr brutalen Rückblenden verfehlen auch nicht ihre Wirkung. Aber sobald man anfängt zu reflektieren, fällt einfach auf, wie tröge diese Elemente den Film nunmal werden lassen und wie problemlos man sie auch hätte weglassen können.
"Meat Grinder" ist damit ein ultra brutales Drama, welches entgegen der Darstellungen kein hirnloser Folterflick geworden ist. Leider ist der Film in seiner eigenen Stilistik viel zu selbstgefällig und ergötzt sich eher an seinem eigenen Kunstgehalt, als eine funktionierende, stringente Handlung zu erzählen. Von dem her bleibt nurnoch zu sagen, dass derjenige, der sich auf diesen Film einlassen kann, sicherlich ein Meisterwerk erleben wird. Alle anderen werden den Film als ungares, nicht zum Punkt kommendes und überladenes Werk in Erinnerung behalten.