Kalla Malla
Man nehme eine handvoll uninteressanter, teils unsympatischer und schlecht synchronisierter Charaktere, schließt sie in ein Haus ein und lässt die Sause beginnen. Was? Kommt die Story jemandem bekannt vor?
Aber wen wundert es. Das Horrorgenre ist nicht dafür bekannt, geistige Quantensprünge abzuliefern. Vielmehr sollten gut funktionierende Horrorstreifen das Rad am Laufen halten, was im Falle von "Kolobos" grundsätzlich auch gelingt.
Wie gesagt: Die Protagonisten sind massiv ätzend, aber strahlen dafür eine muffige 90er Jahre Atmosphäre aus, wie man sie in der Konsequenz nur selten sieht. Die Dialoge beschränken sich auf oberflächliches Gesülze und die Talente des wandelnden Bodycounts beschränken sich maximal auf Atmen, Essen und Schlafen.
Mit dem im Film erwähnten Filmfranchise "Schlachthoffaktor", vergleichbar mit der "Stab" Reihe in den "Scream" Filmen, hat man zugleich noch einen schönen Verweis auf den eigenen Film abgeliefert, denn die Charaktere motzen bei einem im Film stattfindenden Filmeabend durchgehend über diese scheinbar sehr schlechte Slasherreihe ab. Das ist entweder selbstironisch oder einfach nur dumm, aber jeder Zuschauer sollte sich darüber seine eigene Meinung bilden.
Für mich kam es rüber, als wollte "Kolobos" genau so sein wie er ist: billig und flach auf inhaltlicher Ebene, aber gleichermaßen routiniert wie für den Horrorfan unterhaltsam.
Es vergeht zwar eine ganze Weile, ehe das Gebrabbel des Schlachtviehs aufhört und man zur (blutigen) Tagesordnung übergeht, aber zumindest kann die Hintergrundgeschichte der Hauptperson Cyra zwischenzeitlich durchaus überzeugen. Es wird ein Mysterium um sie aufgebaut und selbst wenn letztendlich nicht alle Fragen geklärt werden, wird sich daran fast niemand stören.
Und allerspätestens wenn die Tötungsszenen kommen, kann man gemütlich die Beine hochlegen und das Geschehen auf sich einprasseln lassen. Nein, "Kolobos" ist nicht über die Maßen brutal, aber hat an der Blutfront zumindest mehr zu bieten, als die meisten Streifen, die zum damaligen Zeitpunkt aus der grassierenden Teenieslasher Welle heraus entstanden. Den Eintrag in Liste B der jugendgefährdenden Medien hat der Film zwar nicht verdient, aber in einem Land, wo man selbst wegen dem "Mexican Werewolf" eine Terz aufführt, verwundert das auch niemanden mehr.
Punkten kann auch der Soundtrack, der schon im Menü der (erstaunlicherweise ungekürzten) Red Edition zu hören ist. Punkt 1: er ist ein absoluter Ohrwurm und Punkt 2: er erinnert sogar an den Score alter Gialli.
"Kolobos" bietet inhaltlich wenig, schlägt mit nicht gerade umgänglichen Charakteren zu Buche und lässt zwar einige Fragen offen, ist aber für den Genre-Allesgucker gar nicht mal so uninteressant. Solide Slasherunterhaltung von der Stange. Mit viel 90er Jahre Feeling.