Kalla Malla
"Ultra Erotic" sagt das Playboy Magazin, "gewaltverherrlichend, strafrechtlich bedenklich und sozialethisch desorientierend" meint die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien, was sich mit den Ansichten des AG Fuldas deckt. "The Image" wurde, nachdem der Film 39 Jahre unbemerkt einer ganzen Gesellschaft geschadet hat und heimlich Einzug in jedes deutsche Kinderzimmer feierte, vor wenigen Monaten beschlagnahmt. Kurioserweise nach §131 StGB, obwohl der Film nach meiner laienhaften Einschätzung (wenn überhaupt) unter Gewaltpronographie fallen dürfte.
Erzählt wird die Geschichte von Jean, der Bekanntschaft mit zwei Frauen macht, welche zueinander in einer BDSM Beziehung stehen. Nach ein paar Treffen mit den beiden, die jedesmal sexuell demütigender für die unterwürfige Anne ausgehen, erlaubt ihre Dom Claire, dass Jean frei über Anne verfügen darf...
Bei "The Image" handelt es sich weder um einen harten "Gewaltfilm", noch um einen klassischen Roughie wie beipsielsweise "Wet Wilderness". "The Image" ist prinzipiell ein sauber und wunderschön gefilmter Erotikstreifen mit haufenweise Sex- bzw. BDSM Szenen. Vorallem eine der ersten Szenen in einem Pariser Rosengarten ist herausragend kitschig gefilmt und in nahezu jeder Einstellung fallen wirklich gute Bildkompositionen auf.
Abgesehen von der Wendung am Ende wird auf eine klassische Handlung jedoch verzichtet. Vielmehr könnte man den Film als eine Art Charakterstudie im SM Millieu beschreiben, denn zum einen haben wir den interessierten Jean, der langsam die Kontrolle übernimmt und zum anderen haben wir die unterwürfige Anne, die außerhalb der BDSM-Beziehung allerdings sehr willensstark und resolut auftritt. Alle Schauspieler machen ihre Sache hervorragend und vorallem Anne, gespielt von der ehemaligen Erotik-/ Pornodarstellerin Mary Mendum, von der man heute glaubt, sie hätte ihren Tod im Jahre 2012 nur vorgetäuscht, liefert schon eine gewagte Performance ab.
Für die Pornofraktion sei gleich gesagt, dass der Film nicht mit Hardcoreszenen geizt. Und obwohl diese zu keiner Sekunde aufgesetzt rüberkommen, liegt das Augenmerk des Filmes ganz klar auf der Dreiecksbeziehung der Protagonisten.
Wie es sich nunmal für eine Film über eine Sub / Dom Beziehung gehört, wird Anne als Sub gewaltig gedemütigt und öffentlich blamiert. Der größte Brüller und der einzige Moment, wo mich die ernste Miene beim Anschauen verlassen, war der, als Jeanne und Claire ihr in einem Restaurant Kaviar und Oliven "unten rein" stecken. Ja, das sind Momente, die das Leben schreibt.
Jetzt stellt sich bloß noch die Frage, warum ein Erotikfilm von 1975 (der auf BluRay wirklich verflucht gut aussieht) im Jahre 2014 von einem deutschen Amtsgericht einkassiert wird. Nein, hier fließt kein Blut. Der Film bietet Darstellungen von Bondage, Flagellation oder eine kurze Szenen am Ende, in der eine Nadel zum Einsatz kommt. Das ist hart, ja, aber nicht gewaltverherrlichend. Vorallem deswegen nicht, weil solche BDSM Beziehungen millionenfach in der Welt existieren und auf gegenseitigem Einverständnis beruhen. Was die BPJM wieder gemacht hat, war eine erneute Säuberungsaktion von Dingen, die mit spießbürgerlichem Denken aus den 1950er Jahren nicht harmonieren. Und wäre in dem Film statt einer Frau ein Mann verschlagen worden, hätte man es wahrscheinlich halb so schlimm gefunden.
Fazit: Ein ästhetisch herausragendes, sehr gewagt und intensiv inszeniertes Meisterwerk des erotischen Films!