Kalla Malla
Tom Chambers (Fredric March) und George Curtis (Gary Cooper), die sich eine Dachgeschosswohnung in Paris teilen, lernen in einem Zugabteil die schöne Zeichnerin Gilda Farrell (Miriam Hopkins) kennen. Es ist sowohl für Tom als auch für George Liebe auf den ersten Blick. Als sie merken, dass sie beide unsterblich in Gilda verliebt sind, schwören sie sich, ihre Männerfreundschaft nicht zu gefährden und zunächst einmal gemeinsam ihren Konkurrenten um Gildas Gunst, den Werbefachmann Max Plunkett (Edward Everett Horton), auszuschalten. Doch Gilda macht den beiden einen Strich durch die Rechnung, indem sie sich in eine bürgerliche Ehe mit Max flüchtet. Doch die Lebensgemeinschaft mit dem gutsituierten Schnösel erweist sich als todlangweilig und Gilda beschließt, zu Tom und George zurückzukehren...
»Serenade zu Dritt« (»Design for Living«) aus dem Jahr 1933 zeigt Ernst Lubitsch, den Vater aller romantischen Komödien, auf dem Höhepunkt seiner Kunst und ist ein einziges Vergnügen von Anfang bis Ende, intelligent, sexy, witzig und grandios gespielt vom Star-Trio Miriam Hopkins, Gary Cooper und Fredric March.
Nach einer Bühnen-Vorlage von Noel Coward erzählt »Serenade zu Dritt« von einer fröhlichen Dreiecksbeziehung, in der sich die Designerin Hopkins nicht zwischen Maler Gary Cooper und dessen Freund und Autor Fredric March entscheiden kann und zunächst einfach mit beiden zusammenlebt - ohne Sex natürlich, so ist die Abmachung. Als March jedoch beruflich die Stadt verlassen muss, bleiben die anderen beiden alleine zurück. Kann das gut gehen?
Dass Miriam Hopkins mit beiden Männern ein erotisches Verhältnis pflegt, macht der Film deutlich, ohne es auszusprechen. Kochwürste, Frühstückseier und ein Smoking zum Frühstück verdeutlichen jeweils, was in der Nacht zuvor passiert ist. Ernst Lubitsch war ein Meister der Implikationen, und was »Serenade« an vorehelichem Sex, Schlüpfrigkeiten und scharfen Beobachtungen über Männer- und Frauenrollen in der modernen Gesellschaft zu bieten hat, sucht seinesgleichen. Hopkins erklärt, dass Frauen immer viele Hüte anprobieren, bis sie einen finden, der passt - dies sei der Gegenentwurf zum Mann, der immer nach möglichst vielen Frauen Ausschau halte.
Es geht - wie schon der Originaltitel sagt - um Lebensentwürfe, die vielleicht von bürgerlichen Moralvorstellungen abweichen, aber dennoch oder gerade deswegen von prickelnder Spannung sind, und dazu noch herrlich witzig. Einzig die bei Cowards Vorlage vorhandenen homosexuellen Anspielungen zwischen den männlichen Charakteren werden (fast) komplett ausgespart, was zu einigen negativen Reaktionen führte, die allesamt übersahen, welches Risiko Lubitsch allein mit der Dreiecksgeschichte einging. Tatsächlich war »Serenade« so gewagt, dass er von der berüchtigten katholischen »Legion of Decency« verboten wurde, und kurze Zeit später wurde der Hays Production Code zur Pflicht für alle Filmemacher - bis dato war er noch freiwillig.
Die Darsteller sind schlicht ein Genuss. Miriam Hopkins war nie begehrenswerter und sprüht vor Leben. Der jugendliche Cooper ist ein Augenschmaus mit komödiantischem Potential, das nur von Lubitsch (und später von Lubitschs Freund und Kollegen Billy Wilder) perfekt eingesetzt wurde. March, der eher selten in Komödien zu finden war, kann neben den beiden absolut bestehen. Wie immer genial in einer seiner vielen Nebenrollen in klassischen Komödien ist Edward Everett Horton als ewig pikierter Boss und väterlicher Freund, der das pikante Treiben misstrauisch beobachtet: »Das ist abnorm (That's abnormal!)«, erwidert er knapp, als Hopkins ihre Liebesgefühle in aller Einzelheit beschreibt.
Das Drehbuch von Ben Hecht ist ein Musterbeispiel für intelligenten Wortwitz und hohes Erzähltempo, und so ist »Serenade« auch ein Vorläufer der klassischen Screwball-Komödie. Er hat an Eleganz, Charme und Frische trotz des hohen Alters nichts verloren. Das Ende muss man gesehen haben, um es zu glauben.