Kalla Malla
Wie hätte "Kevin allein zuhause" wohl ausgesehen, wenn Kevin ein sadistischer Bastard gewesen wäre?
Genau so: Ein paar Männer überfallen eines Morgens eine scheinbar harmlose Familie, da der Vater, wie sich herausstellt, einen kriminellen Obermotz um Geld geprellt hat. Die Einbrecher machen mit den Eltern kurzen Prozess, doch mal abgesehen von der labilen Stiefschwester, stellt der ungefähr 12 jährige Bruder eine gewaltige Herausforderung für die Gangster dar. Dieser ist nämlich psychisch gestört und stand kurz davor, aufgrund seiner Gewaltausbrüche gegen alles und jeden, in die Geschlossene eingeliefert zu werden...
Die Charaktereinführung geht recht flott vonstatten und ist durchaus zweckmäßig. Man empfindet vorallem für den Vater etwas an Sympathie und er tut einem schon etwas leid, als sein neu gegründetes Familienglück so schnell (und schmerzhaft) wieder in die Grütze geht. Der Sohn hüllt sich in der Zwischenzeit lieber in Schweigen und spitzt schon zu Beginn irgendwelche Gegenstände scharf an und killt eine Spinne mit einer Nadel, die er durch ein Spuckrohr -auffallend zielsicher - an den Dachpfosten nagelt.
Umso wenig überrascht ist man dann, wenn Derek Mears, als einer der Gangster, innerhalb von wenigen Sekunden von dem Kleinen außer Gefecht gesetzt wird. Man wird sich zwar im Laufe des Filmes fragen, ob das Jigsaw oder der Collector ist, denn so perfekt und schnell kann nichtmal ein Ingenieur so gut funktionierende, simple Fallen aufbauen. Aber gut, anfangs kann man es als gegeben hinnehmen, während es mit zunehmender Laufzeit (vorallem gegen Ende) dann doch verdammt unglaubwürdig daherkommt. Bei seinem Bruder im Geiste namens Kevin, hat eine solche Übertreibung noch gut ins Filmkonzept gepasst, aber bei einem eigentlich straighten Home Invasion Film, will das nicht so ganz ins Bild passen.
Die Kills sind zwar nicht ausufernd, aber durchaus hart anzuschauen. Vorallem die Tatsache, dass ein Kind hier einen Rachefeldzug startet, hätte normalerweise der FSK recht sauer aufstoßen müssen, doch die ließen den Film ungeschnitten mit einer 18er Freigabe passieren. Vielleicht konnten die ja selber nicht glauben, was sie da gerade gesehen haben.
Leider fehlt "Aggression Scale" mit dem Wegfall des Vaters im ersten Drittel dann einen wirklichen Sympathieträger, um wirklich mitfiebern zu können. Die Tochter ist eigentlich ein Kotzbrocken nach Definition und der kleine Michael Meyers ist natürlich auch niemand, dem man das Überleben wünscht. Zumindest wäre es einem egal gewesen, falls er doch mal über den Haufen geschossen worden wäre.
Außerdem muss man auch die Unfähigkeit der Killer etwas in Frage stellen. Während diese nämlich in den Szenen vor dem eigentlichen Filmbeginn, mehr als nur gekonnt in andere Häuser eingefallen sind und kurzen Prozess gemacht haben, werden die fünf hier von jemandem terrorisiert, der kaum größer ist als ein Toastbrot. Das ist unlogisch, aber man kann es irgendwie als gegeben hinnehmen.
"Aggression Scale" ist ein kurioser Home Invasion/ Revenge Film, der nicht wirklich mitreißend ist, aber sein Publikum unterhalten kann. Alleine schon die Idee, eines verhaltensgestörten Kindes, welche eine Gangsterbande auseinander nimmt, gepackt in einen Horrorfilm, ist nicht gerade alltäglich.