Kalla Malla
Weil sie den Unfalltod ihres Vaters und ihrer Schwester auch nach über 10 Jahren noch nicht verarbeiten kann, versinkt Diane, zum Leidwesen ihres Freundes Lane, neuerdings in immer auswegloseren Phasen tiefster Depression. Von einer Therapie will die junge Frau nichts wissen, stattdessen setzt sie alle Karten auf eine Séance, die sie endlich wieder mit ihrem Daddy, einem zu Lebzeiten stadtbekannten Hexer, vereinen soll. Zu diesem Zweck engagiert das Paar einen erfahrenen Okkultisten, der mit dem Buch der Toten auch das nötige Handwerkszeug für eine vernünftige Geisterbeschwörung besitzt, Diane angesichts ihres labilen Zustandes aber strikt von dieser Prozedur abrät. In ihrer Verzweiflung erschießt diese den Okkultisten daraufhin einfach und nimmt die magische Schrift, unwissend, welch düstere Ereignisse sie damit in Gang setzt, an sich. Während der völlig perplexe Lane im Folgenden erst einmal zur Kreissäge greift und sich eifrig an die Entsorgung des Leichnams macht, gerät Diane alsbald in den unheilvollen Bann des Buches...
Es gibt Zeiten, da man als Horrorfilm-Rezensent von seinem Glauben an das Gute im Menschen abzufallen droht. Da meint man, der jahrelange, masochistische Konsum des Genre-Bodensatzes hätte irgendwann eine Art natürlicher Abhärtung zur Folge haben können, nur um dies dann von einem unscheinbaren Streifen wie Hellbound - Das Buch der Toten als der reinste Irrglaube enttarnt zu sehen. Ernsthaft, was hier in 82 qualvoll-endlosen Minuten an unfassbar trägem und diletanttischem Nonsens zusammengeschustert wurde, ist nichts anderes als eine regelrechte Vergewaltigung des Menschenverstandes und jedweder festgeschriebener Norm des vernünftigen Filmeschaffens. Cadaver Bay, so der um keinen Deut besser klindende Originaltitel dieses Vakuums an Unterhaltung, geht dabei auf das Konto eines gewissen Steve Sessions, der inzwischen schon eine regelrechte Karriere als unfähiger Regisseur vorweisen kann und mit Streifen wie Dead Clowns oder At the House of Madness sicher noch ähnlich dicke Haufen Anti-Entertainments geschissen hat. Hellbound - Das Buch der Toten jedoch dürfte sein zweifelloser Rekordversuch des wohl langweiligsten und nichtssagendsten Horrorfilms aller Zeiten sein, eine andere Intention lässt sich hier für das bis aufs Mark geschundene Publikum beim besten Willen nicht erkennen. Low-Budget in allen Ehren, doch was sich dieser "Film" und all seine Verantwortlichen diesbezüglich an Narrenfreiheit herausnehmen, entbehrt in seiner schrecklich stupiden Gesamtheit jeder Form von Existenzberechtigung. Es schmerzt, in einer Welt zu leben, in der Filme wie dieser nicht nur gedreht, sondern von einigen bemitleidenswerten Individuen auch noch als sinnvoller Zeitvertreib für 82 kostbare Minuten ihres Lebens verstanden werden.
"Hellbound ist eine schweißtreibende Mischung aus Twilight Zone, Tanz der Teufel und Dawn of the Dead mit äußerst ekligen Effekten und den grauenerregendesten Zombies der Filmgeschichte vom Regisseur von Der Makler" - so kündet die deutsche Uncut-DVD aus dem Hause MIB großspurig an und lügt dem arglosen Käufer damit gleich in so vieler Hinsicht mitten ins Gesicht, dass derjenige, welcher diesen einmalig realitätsfernen Stuß verbrochen hat, dafür nicht nur geteert und gefedert, sondern überdies noch zu einem tausendstündigen Hellbound-Marhon verdonnert werden sollte. Dies käme vielleicht annähernd der angemessenen Strafe gleich, dieses filmgewordene Narkotikum auch nur in einer Silbe lobend zu erwähnen. Dabei wäre diese ganze Entrüstung womöglich nicht einmal von Nöten, wenn das zu Grunde liegende Drehbuch nicht ausgerechnet von einem völlig überforderten Vollpfosten geschrieben und inszeniert worden wäre, der auf diesen Gebieten nicht den Hauch einer Kompetenz vorweisen kann. Dies zeigt sich schon an dem zusammenhangslosen und unnachahmlich einschläfernden Flickenteppich, der hier als Story verkauft wird und darüber hinaus mit Pseudo-Charakteren aufwartet, wie man sie nie zuvor nervtötender sah. So ist unsere depressive Trauertrulla Diane schon ab der ersten Szene derart neben der Spur und reif für die Klappse, dass man permanent die Vöglein zwitschern zu hören glaubt, während sich ihr hirntoter Stecher Lane (der in der deutschen Fassung kurzerhand in Dennis umbenannt wurde) allerdings nicht viel dabei zu denken scheint und seine Herzallerliebste auch dann noch unterstützt, als diese kurzerhand einen unschuldigen Okkultisten über den Haufen schießt. Von da an laufen die Ereignisse dann etwas aus dem Ruder, als nicht nur die quicklebendige Hand des zerhackstückelten Voodoo-Typen, sondern Dianes seit 10 Jahren toter und entsprechend ungesund aussehender Daddy aus dem Grab hüpfen, um dem Trauerspiel vor und hinter der Kamera endlich ein Ende zu bereiten. So wird aus Diane dann letztlich lecker Schaschlik für ihren Zombie-Papa, während sich Lane, aus Ermangelung einer Erklärung für die Ereignisse, die Rübe wegschießt. Das wars dann auch - Affe tot, Film vorbei, na vielen Dank auch.
Dieser gravierende Spoiler wird nun hoffentlich auch den letzten davon abhalten, sich ein eigenes Bild vom Ausmaß der hier vorherschenden Unfähigkeit machen zu wollen, denn was in Kurzform eventuell noch unfreiwillig komisch klingen mag, ist auf 82 Minuten ausgewalzt eines der lahmarschigsten und schlichtweg überflüssigsten Filmverbrechen im gesamten Low-Budget-Sektor. Die meiste Zeit über betrachten wir Diane beim lethargischen Nichtstun, werden dann ab und an aber tatsächlich mit einigen bahnbrechenden Szenen von Lane beim Spazierengehen belohnt. Hier und da dann noch vereinzelte Aufnahmen pennender Tiere und wir sind endlich voll dabei. Wenn es Regisseur Sessions dann gar ganz gut mit seinem Publikum meint, dann spendiert er uns sogar direkt einige Aufnahmen der völlig anhaltslos in den Plot geworfenen Nachbarin, welche sodann, fleißig vögelnd und sich selbst nackt im Spiegel anglotzend, den T&A-Faktor des Films etwas aufstocken darf. Bis zur 50. Minute ist dann auch noch nichts, aber auch gar nichts passiert, was irgendwie auch nur im Entferntesten ein Anzeichen von Gehirnaktivität des Drehbuchverantwortlichen voraussetzen würde und selbst wenn Hellbound dann irgendwann erste Lebenszeichen erkennen lässt, so hat man sich zu diesem Zeitpunkt längst ins Reich der Träume verabschiedet. Macht aber nichts, denn auch gegen Ende hin bewegt sich der Unterhaltungswert dann noch irgendwo zwischen Nahtoderfahrung und Rektalabstrich, daran können dann auch eine umherhüpfende Hand (?!), sowie ein Vanillepudding und Maden scheißender Zombie nichts mehr ändern.
Womöglich wäre diese lose Aneinanderreihung aus dem Restmüll gefischter Szenen bei einer halbwegs professionellen Inszenierung noch zu verschmerzen, doch auch hier bleibt sich Steve Sessions seinem guten Namen treu. Den ersten Lacher bekommt man dabei gleich zu Beginn serviert, als ein Paar vor malerischer Strandkulisse in Wollust übereinander herfällt. Setting, Dialoge, Ausleuchtung, alles wirkt haargenau einem schäbigen Porno entnommen. Ehrensache, dass Hellbound dieses Niveau anschließend durchgehend beibehält und einen ob seiner tristen Kulissen, den unsäglichen Effekten und der selbstverständlich vollkommen billigen Homemade-Optik einmal mehr die eigene Passion fürs Horrorgenre verfluchen lässt. Selbstverständlich dürfen in einem solchen Meisterwerk der Unterhaltungskunst dann auch die entsprechenden Nullnummern vor der Kamera nicht fehlen. Erwartungsgemäß sind die hier auftretenden "Schauspieler" dann auch ausnahmslos herrlich untalentierte Dumpfkacheln, die vermutlich an irgendeiner Straßenecke mit Fusel gelockt und vor die Kamera gezerrt wurden. Elizabeth North, um nur einmal die unsäglichste Leistung herauszugreifen, spielt den Part der Diane von Beginn an so steif und kratzbürstig wie eine Untote auf Monatsblutung und wurde dazu auch noch mit einer absolut lustlosen und vor sich hinnuschelnden Synchronisation bestraft, die in dieser Form völlig außer Konkurrenz steht.
Fazit: Cadaver Bay aka Hellbound ist somit in all seiner kotzreizerregenden Gesamtheit ein furchtbares und kaum mehr in die nötigen Worte zu packendes Desaster an Rohstoffverschwendung. Der "Film" gleicht einem geballten Auswurf solcherlei Szenen, die jeder andere Regisseur vor Scham nicht einmal als Deleted Scenes zur Schau stellen würde. Gegen diesen debilen und schnarchlangweiligen Menschenrechtsverstoß sieht so manch andere Low-Budget-Gurke gleich wieder nach richtig guter Unterhaltung aus, was allerdings rein gar nichts an der Tatsache ändert, dass Hellbound mitsamt seinem Regisseur und der gesamten Filmcrew in ein tiefes Erdloch gesteckt und nie wieder ans Tageslicht gelassen werden sollte.