Kalla Malla
Daisuke Yamanouchi gehört mit Sicherheit zu den bekannteren asiatischen Regisseuren, die sich nahezu komplett dem Extrembereich zugewandt haben. Schließlich gehen auf seine Rechnung unter anderem die beiden "Red Room" Teile, "Girl Hell", "Dead, A Go! Go" sowie der sehr gelungene Fakesnuffstreifen "Mu Zan E".
Wie immer sind seine Filme eine mal mehr, mal weniger gelungene Mixtur aus Gewalt und Sexualität (letztere natürlich nur im Rahmen strenger japanischer Richtlinien) und so verwundert es nicht, dass er sich mit "Blood Sisters" (bzw. "Sisters Of Blood" - je nachdem) dem sehr klassischen Stoff eines Rape And Revenge Filmes angenommen hat. Die Konkurrenz in diesem Genre war schon anno 2000 recht groß, weswegen man natürlich besonders große Hoffnung in das Land der aufgehenden Sonne setzt, da man von dort wirklich ausufernde Filme gewöhnt ist:
Nach einer wirklich harten Introsequenz, die wahrscheinlich als kleine Einstimmung gedacht war, erzählt der Film zunächst mal seine Story. Dabei fällt schon von Anfang an auf, dass der Fokus deutlich auf der "Rape" Anteil liegt und man sich im Gewaltbereich vergleichsweise zurückhält. Vergleichsweise schreibe ich deswegen, weil "Blood Sisters" natürlich ein blutiger Film ist und reelle Chancen auf das "131er-Gütesiegel" hat, aber selbst Hollywood schon Graphischeres veröffentlicht hat.
Die Effekte an sich sind durchaus gut und erzielen definitiv ihre Wirkung, allerdings wird das splatteraffine Auge nahezu alle recht leicht durchschauen können. Close-Ups oder ungünstig gesetzte Schnitte fallen hier nämlich durchaus auf.
Bei den Vergewaltigungen ist es dann schon wieder so eine Sache: Einerseits sind diese wirklich hart und rabiat gefilmt, andererseits hat der japanische Film aber das Problem, dass alle primären Geschlechtsmerkmale verpixelt werden müssen. Um dieses sogenannte und unschöne "Fogging" zu umgehen, lassen die Darsteller oftmals ihre Unterwäsche an, was bei als tabulos angedachten Filmen durchaus komisch daherkommt. Denn da schaut man sich einen Film an, der im Gewaltbereich wenig Tabus kennt und so brutal wie möglich daherkommen möchte - aber alle haben ihre Unterbuchsen noch an.
Und falls nicht, hält man die Kamera ausnahmsweise mal nicht völlig exploitativ aufs Geschehen, was so gar nicht in den restlichen Stil des Filmes passen möchte.
Somit habe ich hier genau die Probleme, die ich bei einem Andreas Bethmann Film eben nicht habe: Denn wo man in Deutschland do viele Hardcoreszenen zeigen kann wie man eben möchte, geht das in Japan einfach nicht, was dem Film am Ende einfach die Konsequenz raubt. Es geht auch gar nicht darum, dass man als Zuschauer unbedingt diese Szenen sehen möchte, aber es zerstört einfach die Illusion eines tabulosen Machwerks.
Unterm Strich bleibt "Blood Sisters" jedoch im absoluten Mittelfeld liegen. Die Filmlänge von etwas über einer Stunde zeigt schon, dass man inhaltlich wenig zu zeigen hat und der halbstündige Missbrauch unterstreicht das Alles noch. Was auf den ersten Blick natürlich sehr böse und extrem klingt, ist beim Ansehen aber vorallem eines: langweilig. Der Film bietet wenig Abwechslung und enthält auf keine boshafte Charakterentwicklung wie "All Night Long 2", weiß aber trotzdem halbwegs solide zu "unterhalten". Es gibt wirklich bessere Filme von Yamanouchi, aber als Sammlungskomplettierung oder zum Einmalschauen, taugt der Film allemal.