Kalla Malla
4 Jahre vor dem ultra kontroversen "Murder Set Pieces" lieferte Regisseur Nick Palumbo prinzipiell den exakt gleichen Film ab: "Nutbag". Der einzige Unterschied auf inhaltlicher Ebene bei den beiden Filmen, die sowieso überdeutlich an "Maniac" angelehnt waren, ist der, dass der Killer in "Nutbag" die Gesellschaft hasst, während der Typ aus "Murder Set Pieces" ein deutscher Nazi ist.
Bei all den Kontroversen, die "Murder Set Pieces" damals nach sich gezogen hat, blieb unterm Strich trotzdem ein funktionierender Film übrig. Billig? Naiv? 100 Kilometer über das Ziel hinausgeschossen? Ja, all das. Aber "Murder Set Pieces" wirkte. Und das immerhin so gut, dass nichtnur eine Polizeieinheit das Set stürmte oder mehrere Presswerke sich weigerten, den Film zu pressen, sondern auch, dass Palumbo von "Maniac" Regisseur William Lustig, aufgrund des ultra graphisch dargestellten Kindsmordes und den ganzen frauenfeindlichen Szenen, persönlich eines auf den Deckel bekommen hat. "Murder Set Pieces" wanderte sogar auf einigen Horrorseiten auf die Blacklist und im Grunde stand Palumbo mit seinem Film, der zum damaligen Zeitpunkt mit 2 Millionen US Dollar Budget als teuerster Indie-Horrorfilm aller Zeiten galt, am Ende ganz alleine da.
Wer "Nutbag" gesehen hat, wird sich nicht wundern, wieso "Murder Set Pieces" so ausgefallen ist, wie er es eben ist. Zum einen sind die Stories der beiden Filme sehr ähnlich, zum anderen sind sexuell motivierte, frauenfeindliche Morder ein fester Bestandteil beider Werke. Jedoch ist "Nutbag" nicht für die schnelle Portion Gore zu gebrauchen. Er hat zwar seine graphischen, harten Momente, diese sind aber an einer Hand (von welcher, wenn man die exakte Anzahl ermitteln möchte, vorher mindestens zwei Finger abgeschnitten haben sollte) abzuzählen. Die Effekte selbst sind über weite Strecken nicht der Rede wert, aber darauf scheint der Film eh keinen großen Wert gelegt zu haben.
Viel eher geht es um das Seelenleben des Killers, der in langen Monologszenen aus dem Off, Zeit hat, seine Ansichten darzulegen. Nur leider verpasst Palumbo hier die Chance, wirklich tief in die psychopathische Welt abzutauchen, sondern liefert eher sehr oberflächliche, sattsam bekannte Erklärungen wie beispielsweise "Frauen mochten mich nie" ab.
Denn "Nutbag" hätte definitiv auch ohne ausufernde Gewalt, die ihm eh schon abgeht, funktionieren können, wenn man ein wirklich tiefschürfendes Psychogramm á la "Menschenfeind" aufgebaut hätte. Oder wenn man im Bereich der Bildsprache und der reinen Inszenierung mehr zustande gebracht hätte - "Debris Documentar" lässt grüßen. Doch sind wir ehrlich: Palumbo ist weder Gaspar Noé noch Marian Dora und leider kein guter Regisseur. Er ist lediglich ein Provokateur, dem kein Tabu zu schade ist. Ich meine das auf keinen Fall abwertend, denn im Bereich des fiktionalen Films, kenne ich persönlich auch kein Tabu, was mich davon abhalten würde, einen Film aus Unterhaltungszwecken anzuschauen.
Somit sei allen Interessierten der bessere, schmierigere und weitaus brutalere "Murder Set Pieces" empfohlen, denn "Nutbag" liefert leider nicht das ab, was man sich von ihm erhofft. Zu monologlastig, zu billig in der Optik, zu unspektakulär auf Seiten der Effekte und des Inhalts. Zusätzlich ist die ungeschnittene DVD von Fright Flix lächerlich schwer zu bekommen.