Joerg Melzer
Als Verfeinerung in Sachen Parkours-Action und Fast-Food-Optik kann man dieses Instant-Remake des Franzosenkloppers "Ghettogangz" vielleicht noch durchgehen lassen. Da man David Belle im Cast behalten hat, flutscht auch die Ami-Neuauflage wie von selbst. Die Szenen und ihre Übergänge sind stets nur ein Abschnitt eines großen Spießrutenlaufs, bei dem sich Vor- und Nachteile in der Konstellation der Figuren binnen Sekunden auf den Kopf stellen können – nur eine Millisekunde nicht aufgepasst, ist plötzlich der "Gute" oder eben der "Böse" wieder am Drücker. Mit Paul Walker hat der wie eh und je ungemein flinke und athletische Belle immerhin ein Charaktergesicht an seiner Seite. In seiner letzten Hauptrolle mag Walker an der Seite des Co-Partners vielleicht etwas hüftsteif wirken, harmoniert ansonsten aber gut mit ihm und teilt ordentlich aus.
Allerdings führt die Verlagerung des Schauplatzes nach Detroit auch gewaltige Probleme mit sich. Luc Besson mag die Produktion aus Frankreich herausgeholt haben, nicht aber das Französische aus der Produktion. So mag Detroit in den Vereinigten Staaten vielleicht die besten Bedingungen stellen, um die Pariser Zustände zu imitieren, doch das Produktionsdesign macht enttäuschenderweise keinerlei Unterschiede in der Darstellung und lässt das Detroiter Ghetto trotz Autofriedhöfen und Ziegelmauerruinen optisch kaum anders aussehen als im Original, zumal die Schergen ohnehin die typischen Merkmale einer Besson-Produktion tragen: Tragen Chinchillas zur Schau, schießen auch gerne mal einen eigenen Mitarbeiter zum Spaß über den Haufen und gehen am Ende per 180-Grad-Läuterung doch noch fast als einer der Guten durch.
Kennt man also bereits das Original (und dessen Fortsetzung), lässt sich am Remake wenig Lohnenswertes finden: Die Kritik am Finanz- und Regierungssystem bleibt der laue Vorwand für eine Actionsause, alles andere teilweise 1:1 abgekupfert und höchstens an den Kanten noch etwas feinpoliert. Letztlich eines der unsinnigsten Remakes überhaupt, zumal der französische Actionfilm vom amerikanischen längst nicht mehr weit entfernt ist.