Kalla Malla
Es wundert mich recht wenig, warum dieser Film nach §131 beschlagnahmt wurde. Prinzipiell wechseln sich unspannende Ermittlungsarbeiten mit zeigefreudigen Softcoreszenen und abartiger Frauengewalt ab. Sprich: genau das, was die BPJM für gewöhnlich auf die Palme bringt.
Mit dem klassischen Giallo hat das alles recht wenig zu tun, denn vielmehr ist der Film ein reiner, sexualisierter Gewaltfilm. Herausragend sind in gewisserweise die Pornoszenen, die mit Sicherheit ein Drittel der Laufzeit ausmachen. Die Kamera hält beispielsweise minutenlang auf eine Masturbation drauf, während im Hintergrund 70er Jahre Pornomusik düdelt. Jedoch sind alle Szenen relativ ästhetisch gefilmt und stehen in keinem Vergleich zu Schmuddelszenen wie zum Beispiel denen aus "Haus Der Verlorenen Mädchen".
Einher geht das Ganze mit einer Inszenierung, in der Frauen nichts zu lachen haben. Auch abseits der Tötungsszenen herrscht in der Hinsicht eine absolut böse Atmosphäre und erinnert nicht selten an Fulci Filme wie den "New York Ripper" oder "When Alice Broke The Mirror", obgleich "Giallo A Venezia" in meinen Augen sleaziger daherkommt.
Regie führte ein gewisser Mario Landi, der den meisten wahrscheinlich durch seine Arbeit am "Patrick" Nachfolger "Patrick Lebt!" bekannt sein dürfte. Wer den Film gesehen hat, wird mit "Giallo A Venezia" einen stimmungstechnisch ähnlichen Streifen bekommen, da die Art, Gewalt sexuell zu zelebrieren, sehr vergleichbar ist. Sogar die berühmte vaginal Pfählungsszene aus "Patrick Lebt!" fand hier in ähnlicher Weise Verwendung, bloß hier kommt sie, aufgrund des realeren Anstriches des Filmes, viel extremer rüber.
Wer Spannung oder Atmosphäre abseits der ranzigen Tötungsszenen erwartet, wird hier nicht glücklich, denn "Giallo A Venezia" zielt nur auf die niederen Instinkte ab. Sex wechselt sich mit Frauengewalt ab und wird lediglich durch recht ziellose Ermittlungen unterbrochen. Moralisch eine interessante Diskussionsdebatte, aber ich komme nicht umhin zu sagen, dass der Film, als das was er sein will - nämlich ein harter Streifen ohne Sinn und Verstand - seinen Zweck erfüllt.