Michael
Wer bei „Monsters“ einen klassischen Alienfilm erwartet wird ganz schnell enttäuscht sein vom Film. Zwar bietet die spektakuläre Eröffnungssequenz einen tollen Blick auf die außerirdische Bedrohung und auch im weiteren Verlauf des Films kann man immer mal wieder einen Blick auf die Aliens erhaschen, der Kerns des Films sind sie aber nicht.
Vielmehr ist „Monsters“ ein Film über eine Reise ins Ungewisse, der mit der Angst vor einer Bedrohung spielt, die zugleich bekannt und unbekannt ist. Und genau da liegt für mich das Problem des Films. Ich als Zuschauer weiß zu schnell was auf die Protagonisten zukommt und so wirklich will man nicht mit den beiden Hauptdarstellern mitfiebern.
Scott McNairy (Argo, Frank) und Sam Whitney Able (All the boys love Mandy Lane, Mercy) agieren dabei noch nicht einmal schlecht, aber Regisseur Edwards hat die beiden Charaktere für meinen Geschmack etwas zu blass angelegt, so dass zumindest mir Ihr Schicksal reichlich egal ist.
Doch Edwards hat in einem anderen Bereich gute Arbeit geleistet. Sein Film will ja wie gesagt kein klassischer Alienfilm sein und ist es auch nicht. Stattdessen ist „Monsters“ für mich ein Film, der sich kritisch mit der Einwanderungspolitik der USA beschäftigt. Auch in der realen Welt ist Mexiko durch einen großen und schwer bewachten Zaun von den Vereinigten Staaten abgetrennt und auch in der realen Welt bringen Schleuserbanden illegale Einwanderer in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Übertragen heißt dies, dass die Reise von Andrew und Sam die Reise der illegalen Einwanderer darstellt und die Aliens in gewisser Weise die Grenzpolizei sind.
Dank dieser politischer Ebene schafft es „Monsters“ sich bei mir in der Wertungsskala auch im guten Mittelfeld zu positionieren, das diese Parabel ein aktuelles Thema aufgreift und ein Thema, was so schnell auch sicher nichts an seiner Aktualität verliert. Als Europäer bekommt man von dem täglichen Vorkommnissen an der amerikanisch-mexikanischen Grenze ja nicht wirklich etwas mit, aber der Film ermöglicht es so einen fiktiven Blick auf die Verhältnisse dort zu bekommen ohne mit dem echten Problemen dort konfrontiert zu werden und ohne, dass der Film dem Zuschauer den Spiegel zu direkt vors Gesicht hält. [Sneakfilm.de]