Kalla Malla
Nachdem ich nahezu zwei Jahre standhaft war und aus Hoffnung auf ein deutschsprachiges Release die schon länger erhältlichen (und natürlich wesentlich billigeren Fassungen) von "Adam Chaplin" ignoriert habe, kam ich endlich in den Genuss des italienischen Ultra-Gematsches. Einer der blutigsten, wenn nicht sogar der blutigste Film aller Zeiten soll dieser Streifen sein - so die Aussagen einiger Filmfans. Und selbst der Kritiker des Virus Magazins gab zu, nach Sichtung des "enthemmten Gonzo-Geschlachtes" eine "physische Übelkeit" empfunden zu haben. Na dann ...
Die Frage nach dem blutigsten Machwerk aller Zeiten wird sich wohl nie klären und mit Sicherheit hat "Adam Chaplin" in Bezug auf sein Siegertreppchen verdammt viel Konkurrenz, doch er ist mit Sicherheit einer der gorigsten Streifen, die man in langer Zeit gesehen hat und sehen wird. Wer jetzt aber in Richtung von Infernal Film's "Necronos" schielt und einen Batzen handmade-FX erwartet, schaut wohl leider in die Röhre, denn entsprechend des beabsichtigt mangaartigen Stils des Filmes, entstand auch das meiste Blut am PC und für das real am Set verwendete, hat man sich extra eine neue Art des "Verspühens" einfallen lassen. Ein paar wenige Prosthetics sind natürlich auszumachen, aber der Großteil ist - wie gesagt - CGI. Was aber erschreckend ist, ist, dass mich das nichteinmal gestört hat. Denn die Effekte passen zu hundert Prozent in die Optik des Filmes.
Dieser wurde durch Farbfilter kräftig verfremdet und erzeugt dadurch aber eine ganz ansehnliche Atmosphäre. Prinzipiell wirkt alles sehr dystopisch und kein einziger Charakter in dem Film ist ohne äußerlichen Makel. Irgendwie haben mich die entstellten Masken sehr an Nicholson's Film "Hanger" erinnert, obgleich "Adam Chaplin" natürlich bei Weitem und in vielerlei Hinsicht nicht so schmutzig daherkommt. Auch bei den Masken, so künstlich sie vielleicht auch an einigen Stellen aussehen mögen, kann man in reine Begeisterungsstürme ausbrechen, denn besonders der Obermotz mit Hannibal Lecter artiger Plastikvisage, ist mit Sicherheit einer der beeindruckendsten Antagonisten aller Zeiten. Alleine der Blick auf seine siffigen, eitrigen Ärme reichen schon, um die zuvor gegessene Pizza rückwärts wieder aus dem Gesicht zu schanzen.
Das einzige, was "Adam Chaplin" in meinen Augen wirklich gnadenlos falsch macht, ist sein Spannungsaufbau. Dieser bewegt sich nämlich auf konstanter Nulllinie und in den Szenen, in denen gerade kein Mensch geköpft, zermatscht, vaporisiert, aufgespießt, abgefackelt, zerhackt, zerschnitten, zertreten oder amputiert wird und aufplatzt, macht sich teilweise schon gewaltige Langeweile breit. Vorallem weil es diverse Szenen gibt, die für circa 10 Minuten Fahrt aus dem Geschehen nehmen, da einfach nur gelabert wird.
Sobald allerdings der Regisseur Emanuele De Santi wieder in seiner Rolle des "Adam Chaplin" himself auf Konfrontationskurs geht, fängt der Actionfan an zu sabbern während der Intellektuelle abgewidert wegschaut, die BPJM sturmläuft (das wird sie!) und der Gorehound in ekstatische Zustände verfällt. Denn besonders das Finale des Filmes ist so unfassbar brutal, dass man mindestens noch einmal zurückspulen muss um verstehen zu können, was man da denn gerade gesehen hat!
"Adam Chaplin" ist für Freunde von harten, unanspruchsvollen Filmen die reinste Offenbarung. Der Film ist eine stilisierte Gewaltorgie, die lediglich von einigen vermeidbaren Längen aufgehalten wird. Der Grundstein für die geplante Trilogie ist allerdings gelegt und ich bin mir sicher, dass schon alleine dieser Film eines Tages ein Kultobjekt wird.