Kalla Malla
Aha, da ist sie also. Die Verfilmung der Vorproduktion von "Melancholie Der Engel". Wer gehofft hatte, durch "Debris Documentar" etwas mehr in Doras knapp 3 stündigem Meisterwerk durchsteigen zu können, der hat sich geschnitten. Denn was wir hier geliefert bekommen, macht das Mysterium um den wohl interessantesten und extremsten deutschen Independent Regisseur nur noch viel größer...
In "Debris Documentar", der wie es scheint sogar noch vor "Cannibal" gedreht wurde, übernimmt Carsten Frank wiedermal die Hauptrolle, welche er bis "Melancholie Der Engel" auch in jedem Film von Marian Dora innehatte, ehe er sich von seinem einstigen Arbeitgeber, aufgrund der Angst vor straftrechtlichen Konsequenzen nach dem Dreh von "Melancholie", trennte. Wie es scheint ist der Film ein recht autobiographisch angehauchtes Werk, indem wir Carsten Frank dabei zusehen, wie er "Melancholie" vordenkt. Natürlich ist besonders am Ende deutlich die Fiktion zu erkennen, aber streicht man die letzten 5 Minuten weg, schaut sich "Debris Documentar" wie eine Art Vorbereitung auf ein ungewöhnliche Rolle; in diesem Fall die Rolle des "Katze" in "Die Melancholie Der Engel".
Ich glaube seit dem großartigen "Angst" gab es selten ein beeindruckenderes Psychogramm eines Mörders. Unser Protagonist scheint am Tag bei Filmproduktionen mitzuarbeiten (was eine Referrenz auf Doras Arbeit bei Ulli Lommel darstellen könnte), während er sich Nachmittags den elementaren Dingen zuwirft - irgendwo zwischen sexuellen Allein-Betätigungen, Fußnägel essen oder am Durchfall von Frauen zu riechen.
Es gab durchaus einige Momente, in denen ich mich konzentrieren musste, nicht gezwungenermaßen meine eigene Kotze riechen zu müssen, denn selten wurde mir bei einem Film derartig schlecht. Wer "Two Girls One Cup" oder die beiden "Squirmfest" Filme gesehen hat, weiß wovon ich rede.
Den Film aber nur auf das zu reduzieren wäre jedoch unfair. Denn wie gesagt erleben wir (grob gesagt), wie ein Darsteller in seiner Vorbereitung auf eine Rolle langsam dem Wahnsinn verfällt. Inwieweit das jetzt ein Schwank aus Carsten Franks Leben war kann ich nicht beurteilen - obwohl ich nicht umhin komme, das ein Funken Wahrheit in "Debris Documentar" stecken muss.
Letztendlich haben wir wieder die typischen Trademarks, wegen denen man sich immer wieder einen Film von Dora anschaut: Einen wunderschön gefilmten und atmosphärischen Film, gut gemachte Verstümmelungen, die man wieder für real halten könnte, massenhaft abartige Einfälle, sowie letztendlich einen provokanten Streifen, der aber im Gegensatz zu anderen "Glanzstücken" wie der "Vomit Gore Trilogy" nicht einmal im Ansatz so inhaltsleer und sinnlos daherkommt. Auch wenn "Melancholie" nach wie vor die unübertroffene filmische Ohrfeige ist, so reicht auch selbst ein so kurzer Film wie "Debris Documentar" aus, um sich wiedermal gepflegt den Tag zu ruinieren. Was außerdem bleibt, ist die Erkenntnis, dass Marian Dora einer der genialsten Regisseure ist - diese Meinung braucht zwar keiner teilen, aber dafür bringt mich auch keiner mehr davon ab.